Tag24„Durch eine frühzeitige Verwachsung der Schädelknochen im Mutterleib wurde mein Kind am 6. Juni 1929 als unheilbar krank geboren. Ich selbst war damals 18 Jahre alt. Ich vergötterte mein Kind und liebte es unendlich. Meine Mutter und ich taten alles, um dem armen kleinen Wurm zu helfen, jedoch vergebens. Das Kind konnte nicht gehen, nicht sprechen, aber ich war jung und gab die Hoffnung nicht auf. Ich arbeitete Tag und Nacht, nur um meinem geliebten Mäderl Nährprä-parate sowie Medikamente kaufen zu können, und wenn ich ihre kleinen mageren Händchen um meinen Hals legte und zu ihr sagte: Hast du mich lieb, Mädi? Da drückte sie sich ganz fest an mich, lachte und fuhr mir unbeholfen mit den kleinen Händchen ins Gesicht. Dann war ich glücklich, trotz allem, unendlich glücklich.“aus: Frankl, V. E. (2022): Über den Sinn des Lebens. 6., neu ausgestattete Aufl. Beltz. Weinheim Basel, S.84. |