Tag25

„Eine Patientin, die seit Jahrzehnten an schwersten akustischen Halluzinationen litt, fortwährend schreckhafte Stimmen hörte, die all ihr Tun und Lassen mit höhnischen Bemerkungen begleiteten – diese Patientin wurde eines Tages gefragt, wieso sie trotzdem so guter Laune sei und was sie denn zu diesem Stimmenhören zu sagen habe, woraufhin sie zur Antwort gab, „ich denke mir eben: dieses Stimmenhören ist schließlich noch immer besser, als wenn ich schwerhörig wäre“. Wie viel Lebenskunst und wie viel Leistung (im Sinne von Einstellungswerten) steckt doch in diesem Verhalten eines schlichten Menschen zu dem schrecklichen Schicksal eines qualvollen schizophrenen Symptoms.“

aus: Frankl, V.E. (2022b): Ärztliche Seelsorge. Grundlagen der Logotherapie und Existenzanalyse. 11. Auflage 2022. Dtv. München, S. 143.